Knochenmark als Versteck für AIDS-Erreger
von Sylvia am 25.03.2010 um 9:49 Uhr
HI-Viren können eine gegen Viren gerichtete medikamentöse Behandlung im Knochenmark überdauern. Dies hat ein US-amerikanisches Team von Medizinern jetzt herausgefunden. Bislang galt Knochenmark, das des öfteren zur Gewinnung von Stammzellen genutzt wird, als dem AIDS-Virus gegenüber unempfindlich. Dass diese Annahme nun widerlegt worden ist, fand unsere Redaktion bei ihrer Recherche auf. So berichtete zum Beispiel vor kurzem die Zeitschrift “bild der wissenschaft” auf ihrer Onlinepräsenz.
Als Dr. Kathleen Collins mit ihren Kollegen das Knochenmark von HIV-positiven Probanden untersuchte, erkannte sie, dass sich der Erreger der tödlich verlaufenden Immunschwächekrankheit AIDS wiederholt im Körper ausbreitet, sobald eine virenbekämpfende Behandlung beendet wird. Das Virus fand in den als latent infiziert bezeichneten Zellen des Knochenmarks ein ideales Versteck und konnte so einer Therapie entgehen. Dies ist auch der Grund, weshalb HIV-positive Patienten zeitlebens auf eine antiretrovirale Therapie angewiesen sind, um eine AIDS-Erkrankung hinauszuzögern.
Aufgrund dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnis relativiert sich der unbedenkliche Einsatz von Stammzellen aus Knochenmark im Gegensatz zur Verwendung von Stammzellen, die aus Nabelschnurblut gewonnen werden. Inzwischen weiß die Forschung, dass ein Kind einer HIV-positiven Mutter nicht automatisch ebenfalls mit dem Virus zur Welt kommt. Die Begründung dafür ist, dass die Plazenta den mütterlichen Blutkreislauf von dem des Kindes trennt und zudem virenhemmend wirkt. Allerdings sind Vorsichtsmaßnahmen nötig, um das Ansteckungsrisiko bei der Geburt zu mindern. Mit einer Anti-Virus-Therapie während der Schwangerschaft kann die Virenzahl im Blut der Mutter gedaämpft werden, außerdem können einen Kaiserschnitt-Geburt sowie der Verzicht aufs Stillen dazu beitragen, dass die Infektionsgefahrt für das Kind auf zwei Prozent sinkt. Inzwischen hat die Medizin auch herausgefunden, dass aus Nabelschnurblut gewonnene Stammzellen weniger häufig mit Viren behaftet sind als adulte Stammzellen, die beispielsweise aus Knochenmark gewonnen werden. Diese Erkenntnis findet sich unter anderem in der Fachpublikation “Stand der Forschung und der therapeutischen Anwendung von Nabelschnurblutstammzellen” von Diplom-Chemikerin Susanne Donner und Diplombiologin Angela Winter. Die beiden Forscherinnen verweisen dabei auf eine wissenschaftliche Arbeit von Prof. Colin McGuckin, die 2006 erschien.
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