Mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurblut: Breite Anwendungsmöglichkeiten beim Menschen

von am 24.07.2009 um 11:35 Uhr

Im Nabelschnurblut befinden sich u.a. mesenchymale Stammzellen, die verschiedene Gewebe bilden können. Auf dieser Möglichkeit basiert die Regenerative Medizin, bei der geschädigtes Gewebe durch die Gabe von Stammzellen regeneriert oder durch im Labor hergestelltes, körpereigenes Gewebe ersetzt wird. Im ersten Teil der Reihe konnten Sie erfahren, was mesenchymale Stammzellen sind und wie sie die Medizin revolutionieren. Lesen Sie im zweiten Teil, was die mesenchymalen Stammzellen bei der Behandlung schwer erkrankter Menschen heute schon leisten können.

Die Erfolge der Regenerativen Medizin blieben nicht auf Tierexperimente beschränkt. Schon 2001 transplantierte eine Rostocker Forschergruppe um Prof. Gustav Steinhoff erstmals einem menschlichen Herzinfarktpatienten eigene Knochenmarkstammzellen. Dadurch konnte sein Herzmuskelgewebe deutlich gestärkt werden, so dass sich die Pumpleistung des Organs verbesserte. Bis heute wurde diese Technik rund 100 Mal angewendet. Zellen aus dem Nabelschnurblut kommen hierfür nach Aussage der Forschern ebenfalls in Frage, werden bisher aber noch nicht routinemäßig genutzt. Das liegt daran, dass den zumeist älteren Patienten kein eigenes Nabelschnurblut zur Verfügung steht.

Das Feld der potenziellen Anwendungen mesenchymaler Stammzellen geht aber weit über den Bereich der Herzmedizin hinaus. So forscht Prof. Dr. Ursula Anderer von der Fachhochschule Lausitz an der künstlichen Herstellung von Knorpelgewebe. Dieses soll bei Gelenkknorpelverschleiß zum Einsatz kommen, beispielsweise um Patienten mit Knie- oder Hüftgelenkschäden zu behandeln. Im Vergleich etwa zum operativen Einsatz einer künstlichen Hüfte wäre eine solche Methode weniger invasiv und verhindere womöglich Folgeoperationen. Auch mit Nabelschnurblut-Stammzellen wird geforscht – in Zukunft auch durch Prof. Anderer, die bislang Zellen aus anderen Quellen verwendet hatte.

Eine weiteres Anwendungsfeld für mesenchymale Stammzellen sind die sogenannten Lippen-, Kiefer-, Gaumen- und Segelspalten (LKGS-Spalten), auch Lippen-Gaumen-Fehlbildungen genannt. Jedes 500. Kind (etwa 1.400 Kinder im Jahr) wird in Deutschland mit diesen Fehlbildungen geboren. Es kann sich bei diesen Fehlern um kleine Kerben handeln oder um durchgehende Spalten, die beispielsweise beim Atmen, Essen oder Sprechen stören können. Auch das Gehör kann durch sie beeinträchtigt werden. Wie Prof. Dr. Holm Schneider von der Universität Erlangen Ende 2008 berichtete, können die aus dem Nabelschnurblut gewonnenen mesenchymalen Stammzellen künftig dazu genutzt werden, diese Krankheit zu behandeln. Dazu werden die Zellen zu Skelettmuskel-, Knorpel-, und Knochenzellen differenziert. Diese können dann verwendet werden, um die LKGS-Spalten zu verschließen.

Eine Anfang 2009 durchgeführte Studie lässt auch Patienten, die an Multipler Sklerose leiden hoffen. Hier verbesserten sich die Krankheitsanzeichen durch die Injektion von körpereigenen Stammzellen aus Knochenmark.

3 Antworten zu “Mesenchymale Stammzellen aus dem Nabelschnurblut: Breite Anwendungsmöglichkeiten beim Menschen”

  1. [...] in der Therapie verschiedener Krankheiten zu gehen. In den beiden ersten Teilen, die Sie hier und hier nachlesen können, wurden bereits mehrere Therapiefelder beschrieben. Im letzten Teil der Reihe [...]

  2. [...] entfalten. Dies ist ein Ergebnis, das sicherlich dazu führt, dass in der Medizin über weitere Anwendungen von Stammzellen – auch solche aus dem Nabelschnurblut – nachgedacht wird. Mai 1, 2009 | abgelegt unter [...]

  3. [...] sind Sie mit den Anwendungsmöglichkeiten der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut vertraut und welche Fortschritte erhoffen Sie sich zukünftig [...]

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