Forschungsziel: Nabelschnurblut vermehren!

von am 19.05.2009 um 18:58 Uhr

Nabelschnurblut wird das Potenzial zugeschrieben, schwere Krankheiten, die mit dem Ausfall von Zellgewebe oder Organfunktionen verbunden sind, heilen oder beheben zu können. Die große Herausforderung, vor der die Stammzellenforschung heute jedoch steht, ist die Vermehrung dieser Zellen. CB-HERMES, ein neuer Forschungsverbund um Albrecht Müller, Professor für Strahlenkunde und Zellforschung an der Universität Würzburg, wird sich in den kommenden drei Jahren mit der Erforschung neuer Verfahren beschäftigten. ”In unserem Forschungsverbund konzentrieren wir uns auf Blutstammzellen aus der Nabelschnur”, so der Zellforscher. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass mittels Nabelschnurblut gezielter körpereigenes Regenerationspotenzial genutzt werden könne. Aufgabe des Forscherteams, welches sich aus  Zellbiologen, Blutkrebs-Spezialisten, Transplantationsmedizinern und  Genetikern zusammensetzt, ist es also, neue Methoden zu entwickeln, mit denen sich die Zahl der Stammzellen steigern lässt. Für die gesamte Zellneubildung des Blutes und des Abwehrsystems sind die Zellen  praktisch der Ausgangspunkt. Die Menge, die sich jedoch aus dem Nabelschnurblut gewinnen lässt, ist aber oft viel zu gering, um einen Erwachsenen therapieren zu können.

Verschiedene Ansatzpunkte bestehen derzeit bereits schon. So gehen die Wissenschaftler um Albrecht Müller der Frage nach, ob man die Stammzellen dadurch vermehren könne, wenn man die Verpackung des Erbgutes verändert. Dazu muss man wissen, dass der Träger des Erbgutes, sprich die DNA, in unterschiedlichen Verpackungszuständen vorliegt. Wenn ein Gen inaktiv ist, dann ist es  im Gegensatz zu den aktiven Genen dicht und fest verpackt. Der Ansatz der Forscher ist hier also der, dass die molekulare Maschinerie, die die DNA verpackt, etwas gebremst wird. Sollte dies gelingen, könnte in der Folge die Anzahl der Stammzahlen erhöht werden. Ein anderer Weg möchte die enge Verknüpfung mit anderen Zellen nutzen. Diese sind für die Ernährung der Stammzellen verantwortlich und kontrollieren diese gewissermaßen. Der methodische Ansatz geht nun in die Richtung, diese Verbindung aufzulösen und die ”anderen Zellen” durch eine besondere Trägersubstanz zu ersetzen. Die nano-strukturierte Oberfläche hätte zur Folge, dass sich die Stammzellen sehr schnell vermehren würden.

Das Projekt wird vorerst drei Jahre vom Bundesforschungsministerium mit 1,2 Millionen Euro  unterstützt. Eine Erfolgsgarantie kann Albrecht Müller nicht geben, allerdings ist er überzeugt, dass der Forschungsverbund neue Erkenntnisse im Bereich der Nabelschnurblut-Forschung gewinnen wird und sich so vielleicht neue Therapieansätze bieten werden.

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