Nabelschnurblut: Vorhandene Ressourcen besser nutzen

von am 23.06.2009 um 19:28 Uhr

Für viele schwer erkrankte Menschen, die beispielsweise einen Herzinfarkt erlitten haben, Diabetes oder Leukämie haben beziehungsweise an Lungen- oder Hirnschäden leiden, ist eine Stammzelltherapie oft die einzige Möglichkeit, die Krankheit zu überwinden. Die lange Zeit einzige Möglichkeit, um Stammzellen zu gewinnen, war die Knochenmarkspende. Neben einigen Risiken macht diese Methode zudem einen Krankenhausaufenthalt für den Spender notwendig. Dies sind Nebeneffekte, die viele Menschen von einer Spende abhalten. Derzeit sind immerhin 1,9 Millionen Menschen in der Deutschen Knochenmarkspender-Datei aufgenommen. Allerdings wird durch aktuelle Fälle immer wieder deutlich, dass dies keinesfalls ausreichend ist, um den Bedarf an Stammzellen zu decken, der für die Behandlung der erkrankten Menschen erforderlich ist.

Auch der Fakt, dass Blutstammzellen jetzt aus dem fließenden Blut gewonnen werden können, hilft hier nicht.

Die in den letzten Jahren immer mehr ins Bewusstsein der Menschen gelangte dritte Methode zur Gewinnung der kostbaren Stammzellen ist die Entnahme von Nabelschnurblut. Hier können ohne jedes Risiko für Mutter und Kind junge und multipotente Stammzellen gewonnen werden, die optimal für die Stammzelltherapie sind. Jedoch wird bisher lediglich bei fünf Prozent aller Geburten in Europa das Nabelschnurblut entnommen. Zu wenig, um allen Patienten mit Hilfe der Stammzelltherapie helfen zu können.

Beispielhaft sei an dieser Stelle die Geschichte des zehnjährigen Tobias Schöllmann genannt. Der Junge aus Schmallenberg im Hochsauerland ist an Leukämie erkrankt und benötigt dringend eine passende Stammzellspende. Insgesamt gibt es über 3.000 Gewebemerkmale, die in verschiedenen Kombinationen auftreten. Damit Stammzellen jedoch zur Behandlung eingesetzt werden können, müssen jedoch die Gewebemerkmale zwischen Spender und Patienten übereinstimmen. Wie Tobias wartet jeder fünfte Leukämiepatient auf eine passende Spende. So erfolgen regelmäßig Aktionen, die zur Knochenmarkspende aufrufen. Im Fall von Tobias Schöllmann wurde sogar eine Initiative ”Hilfe für Tobias und andere” gegründet, die unter der Schirmherrschaft des Landrates Dr. Karl Schneider steht. Doch selbst wenn sich zahlreiche Menschen zu einer Spende bereit erklären, ist dies mit einem finanziellen Aufwand verbunden. 50 Euro kostet jede Typisierung.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie sehr sich die Situation von Patienten wie Tobias verbessern würde, wenn weitaus mehr Stammzellspenden eingelagert wären. 95 Prozent der Stammzellen aus Nabelschnurblut wird heute noch einfach entsorgt. Ein großer Erfolg wäre es daher, wenn sich die Zahl derer, die das Nabelschnurblut einlagern lassen oder spenden, deutlich erhöhen würde.

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