Stammzelltherapie für Schlaganfallpatienten geht nun in die klinische Anwendung

von am 22.02.2010 um 19:14 Uhr

Ab April 2010 werden im Rahmen einer klinischen Studie zwölf Schlaganfallpatienten in Großbritannien mit einem neuen Stammzellpräparat behandelt. Dies sind die weltweit ersten Behandlungen bei Schlaganfall am Menschen. Bisherige Untersuchungen mit Klein- und Großtieren hatten positive Effekte der Stammzellen auf die geschädigten Hirnregionen gezeigt. Die motorischen Fähigkeiten, die nach einem Schlaganfall eingeschränkt sind, konnten zu großen Teilen wiederhergestellt werden.
Die Studie richtet sich an Patienten, die einen ischämischen Schlaganfall erlitten haben und auch noch sechs bis 24 Monate später unter den Folgen leiden. Ziel der Studie ist es, die Wirksamkeit des Stammzellpräparates und den Einfluss verschiedener Zelldosen zu untersuchen. Die Patienten werden über einen Zeitraum von zwei Jahren medizinisch überwacht.

Das Präparat des britischen Unternehmens ReNeuron wird aus neuralen Stammzelllinien hergestellt, die von Spendern stammen. Es wird direkt in die Hirnregion injiziert. Die Blut-Hirn-Schranke soll Abstoßungsreaktionen auf die fremden Zellen verhindern, so dass die Patienten ohne Immunsuppressiva leben könnten.

Einen anderen Weg übrigens gehen Forscher aus Leipzig, die eine klinische Studie zur Behandlung der Schlaganfallfolgen mit eigenem Material vorsehen. Sie hatten im Großtierversuch herausgefunden, dass autologe Stammzellen aus dem Nabelschnurblut positive Effekte auf die geschädigten Hirnareale haben und durch die Gabe des Nabelschnurbluts sogar noch 72 Stunden nach dem Schlaganfall die motorischen Fähigkeiten nahezu wiederhergestellt werden konnten. Da Schlaganfallpatienten heute jedoch noch nicht über eigenes Nabelschnurblut verfügen, ist die klinische Studie zunächst unter Verwendung von Knochenmarkstammzellen geplant.

Ein Schlaganfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland und ist die dritthäufigste Todesursache. Etwa 60% der Patienten, die einen Schlaganfall überleben, leiden infolge dessen unter körperlichen Einschränkungen.

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