Vermehrung von Nabelschnurblut-Stammzellen gibt Hoffnung für viele Blutkrebspatienten
von Sylvia am 22.12.2009 um 15:17 Uhr
Allein in Europa sind jährlich 8000 Patienten, die an einer Leukämie oder einem Lymphom erkrankt sind, auf eine Stammzellspende angewiesen. Bislang kommen bei derartigen Blutkrebserkrankungen in der Regel Stammzellen aus dem Knochenmark oder dem peripheren Blut zum Einsatz. Nun rückt auch die Verwendung von jungen, gesunden Nabelschnurblut-Stammzellen in greifbare Nähe. Denn ein israelisches Forschungsteam hat ein Verfahren entwickelt, mit dem die blutbildenden Stammzellen im Nabelschnurblut auf das bis zu 200-fache vermehrt werden können. Bereits 2011 könnte dieses Verfahren auf den Markt kommen, sofern die aktuelle Phase III Studie dessen Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt.
Obwohl die Stammzellen im Blut der Nabelschnur als besonders vital und gesund gelten, können sie bislang vor allem bei Patienten mit höherem Körpergewicht nur selten angewendet werden. Grund dafür ist die natürlicherweise limitierte Menge an Stammzellen, die aus dem Nabelschnurblut gewonnen werden können. Gerade bei hämatologischen Erkrankungen wird jedoch eine möglichst große Menge an blutbildenden Zellen benötigt, um das nach einer hochdosierten Chemotherapie zerstörte Immunsystem der Patienten wieder aufzubauen.
Bei dem Verfahren namens StemEx® wird ein Teil der hämatopoetischen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut-Präparat isoliert und 21 Tage im Labor lang vermehrt. Dieses Zellpräparat wird den Patienten, die zuvor eine Hochdosis-Chemotherapie erhalten hatten, gemeinsam mit den unbehandelten Stammzellen verabreicht. Frühere Studien hatten gezeigt, dass das so vermehrte Präparat wirksam ist: Bei neun von zehn Patienten konnte eine Neubildung der weißen Blutkörperchen und Blutblättchen nach der Chemotherapie nachgewiesen werden. Weltweit werden nun in 26 Transplantationszentren 100 Patienten zwischen zwölf und 55 mit StemEx® behandelt. Vorteilhaft wirkt sich das Verfahren vor allem aus, weil:
- die Therapie schneller gestartet werden kann
- die Chancen auf eine erfolgreiche Transplantation vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen sehr hoch sind
- die Übergangszeit bis zum Neuaufbau des Immunsystems verkürzt wird
- der Patient dadurch weniger Zeit in der Klinik verbringen muss