Was ist Nabelschnurblut?

Die Nabelschnur ist die Verbindung von Mutter und Kind während der Schwangerschaft. Über die Plazenta verbindet sie das Baby mit dem Blutkreislauf der Mutter. Es wird so mit Sauerstoff und den Nährstoffen versorgt. Nach der Geburt pulsiert die Nabelschnur noch ein wenig weiter, dann wird sie abgeklemmt. Häufig wandert sie in den Abfall, dabei ist sie eigentlich viel zu schade dafür. Darin enthalten ist nämlich das begehrte Nabelschnurblut (Plazentarestblut): Es enthält Stammzellen, die aktuell der Forschung und der Behandlung schwerer Krankheiten dienen. Dazu zählt zum Beispiel Leukämie.
Nabelschnurblut

Das Nabelschnurblut ist deshalb so begehrt, weil es so selten verfügbar ist: Nur in dem Zeitraum nach der Abnabelung steht es zur Verfügung. Die Entnahme erfolgt dabei absolut risiko- und schmerzfrei. Die Stammzellen des Nabelschnurblutes sind noch sehr flexibel und undifferenziert. Aus ihnen können deshalb verschiedene Zelltypen heranreifen. Neben Blutzellen konnten sie bisher zum Beispiel auch zu Nerven-, Leber-, Blutgefäß-, Muskel-, Knochen-, Knorpel- und Inselzellen entwickeln. Daraus wiederum können unterschiedliche Organe oder Gewebe entstehen. Für die Forschung ist dieses Nabelschnurblut extrem wichtig, weil es ohne Bedenken und Nachteile für die Säuglinge genutzt werden kann. Über 10.000 kranke Menschen haben weltweit von den Nabelschnurblut-Stammzellen schon profitiert.

Vorteile Nachteile
– kann ohne Risiko gewonnen werden
– sofortige Verfügbarkeit und Langzeiteinlagerung
– geringe Kontamination mit latent vorhandenen Viren und Tumorzellen
– hohes Vermehrungspotenzial der Stammzellen
– hohes Differenzierungspotenzial der Stammzellen
– geringeres Risiko für erworbene chromosomale Veränderungen und Mutationen
– nur stark begrenzt verfügbar
– nur bei einer Geburt zu gewinnen
– längere Aplasie der Blutbildung, verglichen mit Knochenmark-Stammzellen
– hohe Personalressourcen für die Einlagerung notwendig
Deshalb eignet sich Nabelschnurblut
Stammzellen aus dem Nabelschnurblut teilen sich besser als solche Stammzellen, die von Erwachsenen gewonnen werden. Für Behandlungen braucht man deshalb nur etwa 1/10 der Menge. Sie gelten auch als sehr gut verträglich, da ihre Abwehrzellen des Immunsystems noch nicht ausgereift sind. Daher müssen die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger auch nicht zu 100% übereinstimmen.

Anwendung von Nabelschnurblut

Man unterscheidet in der Anwendung die Fremdtransplantation (Allogene Transplantation) und die Eigentransplantation (Autologe Transplantation). Die Fremdtransplantation kommt derzeit noch in den meisten Fällen zum Einsatz (zum Beispiel bei Leukämien, Blutbildungsstörungen und genetisch bedingten Erkrankungen). Dabei unterscheiden sich Spender und Empfänger. Körpereigene Stammzellen kommen auch zum Einsatz, jedoch deutlich seltener.

Nabelschnurblut kommt zum Beispiel bei Transplantationen zum Einsatz. Empfohlen werden 10 – 30 Mio. kernhaltige Stammzellen pro Kilogramm Körpergewicht des Empfängers, wenn es sich bei Spender und Empfänger um unterschiedliche Personen handelt. Sollten nicht so viele Stammzellen vorrätig sein, könnte man allerdings auch zwei Nabelschnurblutpräparate gleichzeitig verwenden (man nennt das Tandem-Transplantation). In jedem Fall ist das Problem der begrenzten Verfügbarkeit der Nabelschnurblutstammzellen (verglichen mit Knochenmarkstammzellen).

Die Bedeutung von Nabelschnurblut nimmt jedoch immer weiter zu: In den USA werden 20% aller Stammzelltransplantationen bereits mit Nabelschnurblut durchgeführt, in Japan sind es bereits 50% (Daten aus 2006). Mediziner glauben daran, dass in 20 oder 30 Jahren sogar infarktgeschädigtes Herzgewebe mit diesen Stammzellen wieder repariert werden kann. Wer dann auf eine eigene Spende zurückgreifen kann, ist definitiv im Vorteil.

Nabelschnurblut spenden oder einlagern?

Es besteht die Möglichkeit, das Nabelschnurblut eines neugeborenen Babys zu spenden oder für eigene Zwecke einlagern zu lassen. Die Nabelschnurblut-Spende ist kostenfrei und erfolgt an ein Stammzellregister. Durch Kryokonservierung (Aufbewahren von Zellen durch Einfrieren in flüssigem Stickstoff) kann man die Stammzellen auch für Patienten mit relativ selten vorkommender genetischer Ausstattung oder gemischter ethnischer Herkunft sammeln und im Falle einer Spendersuche bereithalten. Je mehr Spender es gibt, desto vielfältiger wird die Datenbank und die Spendersuche verkürzt sich.
Drei von hundert Eltern entschließen sich heute dazu – als „Lebensversicherung“ für das eigene Kind oder als Spende für einen anderen Kranken. „Bei den Vorbereitungsabenden für werdende Eltern ist das Nabelschnurblut immer ein Thema“, sagt Babett Ramsauer, leitende Oberärztin am Perinatalzentrum des Berliner Vivantes-Klinikums Neukölln, einer der größten Geburtskliniken Deutschlands.

Sollten Sie das Nabelschnurblut nicht für eigene Zwecke einlagern wollen, empfiehlt es sich in jedem Fall eine Spende durchzuführen. Sie und Ihr Baby haben dadurch keinerlei Risiken oder Nachteile. Sie stellen das Nabelschnurblut jedoch kranken Menschen weltweit zur Verfügung und können damit wirklich helfen. Nachteil: Sollte Ihr Kind aufgrund von Erkrankungen selbst Nabelschnurblut-Stammzellen benötigen, können Sie nicht darauf zugreifen (das geht nur bei einer Eigenkonservierung). Sie können sich dann jedoch wie jeder andere auch bei der Spenderbank melden.

Fragen Sie jedoch vorher in Ihrer Entbindungsklinik nach, ob eine Spende möglich ist. Aufgrund der strengen arzneimittelrechtlichen Auflagen bieten dies nicht alle Kliniken an.

Adressen für Spenderbanken für Nabelschnurblut:

Nabelschnurblut einlagern

Auch die Eigenkonservierung von Nabelschnurblut (autologe Einlagerung) ist möglich. Dabei wird das Nabelschnurblut bei der Geburt entnommen und über Jahre hinweg tiefgekühlt eingelagert (je nachdem wie lange es vertraglich vereinbart ist). Das machen Menschen in der Regel für die eigene private Vorsorge (bzw. Eltern für Ihre Kinder). Das Problem hierbei ist jedoch, dass die Forschung noch keine verlässlichen Ergebnisse liefert. Ob die eigenen Stammzellen bei erwachsenen Menschen überhaupt zum Einsatz kommen können, ist noch nicht zuverlässig bestätigt. Allerdings hat sich in den letzten Jahren viel getan und niemand weiß, wie weit die Forschung in 20 Jahren sein wird. Als Elternteil haben Sie nur bei der Geburt Ihres Kindes die Chance, Nabelschnurblut für den kleinen Sprössling einzulagern.

Die Frage ist, ob Sie das Geld hierfür in die Hand nehmen und darauf spekulieren, dass die Forschung mit den Nabelschnurblut Stammzellen Erfolge erzielen wird, oder ob Sie es von Anfang an ausschließen.

Größter Vorteil ist in jedem Fall, dass Sie Anspruch auf das eingelagerte Nabelschnurblut-Präparat haben. Sie sind also nicht davon abhängig, ob es passende Spender-Zellen gibt. Der Anbieter Vita 34 ermöglicht es sogar, das eingelagerte Nabelschnurblut an kranke fremde Empfänger abzugeben. Sie erhalten in dem Fall ihre kompletten Gebühren zurück.

Was kostet die Einlagerung von Nabelschnurblut?

Die Einlagerung für eigene Zwecke wird von privaten Anbietern durchgeführt und ist kostenpflichtig. Meist setzen sich die Kosten aus einer Einrichtungsgebühr zwischen 150 und 300 Euro und einer monatlichen/jährlichen Gebühr für die Einlagerung zusammen. Auf eine Dauer von etwa 20 Jahre muss man mit Kosten von 1.200 – 2.500 Euro rechnen. In Studien wurde übrigens nachgewiesen, dass Nabelschnurblut-Stammzellen über 20 Jahre halten, ohne ihre Vitalität und Proliferationsfähigkeit zu verlieren. Grund dafür ist, dass die Lebensprozesse im Zellinneren bei Temperaturen unter −130 Grad Celsius vollständig zum Erliegen kommen. Theoretisch sind die Stammzellen so unbegrenzt haltbar.

Für Geschwister und Mehrlinge bieten die privaten Anbieter meist Rabatte an. Außerdem gibt es häufig die Ratenzahlungsoption.

Wieso kostet die private Einlagerung so viel Geld?

Das Einlagern ist eine kostspielige Prozedur. Selbst öffentliche Nabelschnurbanken, die Nabelschnurblut-Spenden entgegennehmen berichten, dass die Verarbeitung und Einlagerung über 1.000 Euro kostet.

Ist es egoistisch, das Nabelschnur meines Babys privat einzulagern?

Eine private Einlagerung hat mit Egoismus nichts zu tun. Es ist Ihr Baby und Sie machen sich darum Sorgen. Es ist ihr gutes Recht, für Ihr Baby vorzusorgen und ihm die größtmögliche Sicherheit zu geben. Einige private Spendenbanken bieten auch die Möglichkeit an, Einlagerung und Spende zu kombinieren. Das wäre zumindest eine Lösung der moralischen Frage. Wenn Ihr Kind sein Nabelschnurblut nicht braucht, dann retten Sie vielleicht ein anderes Leben. In dem Fall würden Sie sogar das Geld zurück erhalten. Sollten Sie sich jedoch aus irgendwelchen Gründen gegen eine private Einlagerung entscheiden, ist es nur sinnvoll das Nabelschnurblut zu spenden. Wenn Sie es nicht spenden, wird es nach der Geburt einfach weggeworfen und hat keinen Nutzen.

Wie läuft die private Nabelschnurblut Einlagerung ab?

Die meisten Geburtskliniken bieten für die private Einlagerung eine Kooperation an. Sie entnehmen im Kreißsaal das Blut aus der Nabelschnurvene. Es wird in einem Plastikbeutel gesammelt und dann an die private Blutbank gesendet, bei der Sie sich im Vorfeld registriert haben.

Welche Anbieter lagern das Nabelschnurblut ein?

Zu den wichtigsten Anbietern am Markt zählen:

Bis 2012 wurden weltweit circa 25.000 Spenden Nabelschnurblut transplantiert.

Sie wollen wissen wie Sie Ihr Nabelschnurblut einlagern können? Das erfahren Sie auf nabelschnurblut-einlagern.com